Beschreibung

Lebens(T)raum

Das Leitthema dieser „use“ – Ausgabe lautet „Lebensraum/Lebenstraum“. Der Begriff „Lebensraum“ bezeichnet einerseits das Umfeld, in dem sich Menschen bewegen und entfalten können, wobei eine Unterteilung zwischen urban und ländlich üblich ist. Pflanzen und Tiere beanspruchen andererseits einen artgerechten „Lebensraum“, der sich grob in Wasser, Land und Luft gliedern lässt. Ob ein „Lebensraum“ gleichzeitig auch einem „Lebenstraum“ entspricht, rein sprachlich unterscheidet lediglich ein kleines „t“ dieses Begriffspaar, hat der Mensch weitgehend selbst in der Hand, zum Beispiel über den Natur- und Denkmalschutz. Viele dieser Aspekte greifen wir in den Beiträgen der vorliegenden „use“ –Ausgabe auf.

Wasser ist ein bedeutsamer Lebensraum für Tiere und für den Menschen ein unverzichtbarer Bestandteil seiner Existenz. Wir begleiten in zwei Artikeln den Flussverlauf der „Hunte“: zum
einen mit geohistorischem Hintergrund, zum anderen als Fernradtour. Gebirgslandschaften, Moore, Geest und Marsch, die der Fluss durchzieht, spielen dabei als Lebensräume eine große Rolle. Dass Lebensr ume auch großen Veränderungen unterliegen, zeigen wir am Beispiel der „Tante-Emma-Läden“. Während aktuell Versuche mit vollelektronisch gelenkten Lebensmittelgeschäften ohne sichtbaren Personaleinsatz laufen, waren die Läden vor 60 Jahren Einkaufsstätte und Kommunikationszentrum zugleich. Zwei Beispiele zeigen, dass der Mensch sich mit seinem Lebensraum auch künstlerisch auseinandersetzt: Auf „Gut Altenkamp“ in Aschendorf beginnt Ende März eine Ausstellung mit Malern aus der Künstlerkolonie Worpswede und dem Emsland, die mit ihren Werken die natürliche Nahumgebung
widerspiegeln. Moor und Heide sind auch zentrale Themen der Dichterin Erika Lichte, die ihre Eindrücke in der Grafschaft literarisch festgehalten hat.

Unsere Tierreportage über die Hohltaube steht als Beispiel für die Anpassung an Lebensräume durch die Tiere: Aus der Heimlichkeit des Waldes ist sie mittlerweile in unmittelbarer Nähe zum Menschen zu finden. Dass auch Menschen einen selbstgewählten, radikalen Lebensraumwechsel vornehmen, verdeutlichen wir an Ordensschwestern aus dem Emsland, die in die Mission nach Afrika und Ozeanien gegangen sind. Was Menschen unternommen haben, um ihren Lebensraum zu schützen und zu verteidigen, wird deutlich im historischen Beitrag über die „Osnabrücker Landwehr“, ein gewaltiges System aus Wällen und Gräben. Über die Architektur gestaltet der Mensch seinen Lebensraum selbst, zu dem ja auch der Arbeitsplatz zählt. Die Textilfabriken in Nordhorn sind dafür ein interessantes Beispiel.

Es ist schön, wenn jemand von sich behaupten kann: „Da, wo ich lebe, das ist wie ein Traum!“ Viele Menschen können das leider nicht sagen, denken wir nur an die zahllosen Flüchtlinge, die weltweit aufgrund von Hunger, Naturkatastrophen, Kriegen oder wegen der politischen Verhältnisse ihren Lebensraum verlassen, weil er unerträglich geworden ist. Das sollte für uns Grund genug sein, sich im eigenen Lebensraum genauer umzuschauen, Neues zu entdecken und sich auch von scheinbaren Kleinigkeiten faszinieren zu lassen. Dabei will die neue „use“ – Ausgabe gerne behilflich sein. Vielleicht gelingt es Ihnen dann ja, liebe Leserin, lieber Leser, dass Sie das kleine
„t“ in ihren „Lebensraum“ einschieben können.

Ihr Team der „use“